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Trüffelforschung

Neben der Trüffelbaumzucht ist die Trüffelforschung unser großes Anliegen. Dank unserer engen Zusammenarbeit mit der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der günstigen Lage in unserem Untersuchungsgebiet Südwestdeutschland können wir innovative Forschung betreiben, die in Deutschland bisher einzigartig ist. Als Schirmherr stellt uns die Albert-Ludwigs-Universität nicht nur sachkundige Wissenschaftler zur Seite, sondern ermöglicht es uns auch mit modernsten Laboren und der großzügigen Bereitstellung von Zuchtflächen, Forschung auf dem höchsten Niveau zu betreiben

Um einen Wissenstransfer mit anderen europäischen Ländern zu ermöglichen, sind wir mit Wissenschaftlern und Instituten in den meisten europäischen Ländern vernetzt und forschen gemeinsam mit der Eidg. Forschungsanstalt für Wald Schnee und Landschaft (WSL) in der Schweiz. Regelmäßig nehmen wir an Fachkongressen und Symposien teil. Besonders von Ländern wie Frankreich und Italien, die auf eine lange Trüffelkultur zurückblicken, haben wir eine Menge gelernt.

Unsere Forschungsschwerpunkte sind:

  • Zucht und Anbau von Trüffelbäumen
  • Trüffelanbau und Umweltschutz
  • Vorkommen und Verbreitung der Trüffel in Deutschland
  • Erforschung der natürlichen Trüffelstandorte
  • Erforschung des Anbaupotentials in Deutschland
  • Auswirkungen des Klimawandels auf die Trüffelvorkommen
  • Molekulargenetische Analysen
  • Mikroskopische Analysen an Fruchtkörpern und Mycorrhiza

Grünes Licht für Gourmets – Burgundertrüffel nicht radioaktiv belastet

Obwohl die Burgundertrüffel zu den teuersten Lebensmitteln der Welt gehört und als Delikatesse mit bis zu 1200€ pro Kilo gehandelt wird, blieb die Frage nach einer radioaktiven Belastung bisher ungeklärt. Andere Pilzarten übersteigen die zulässigen Cäsium-Werte zum Teil bei weitem und sollten seit dem Tschernobyl-Unfall in manchen Regionen nicht verzehrt werden. Gerade Hirschtrüffel, die nicht zu den „echten“ Trüffeln der Gattung Tuber gehören und für den Menschen ungenießbar sind, reichern das radioaktive Cäsium in hohem Maße an. Da sie gerne von Wildschweinen und Rehen gefressen werden, sind sie auch für die oft diskutierte Verstrahlung von Wildfleisch aus belasteten Gebieten verantwortlich.

Die kulinarisch und wirtschaftlich wertvolle Burgundertrüffel dagegen wurde nun als unbedenklich freigegeben. In einer Studie von Schweizer und deutschen Forschern wurden 82 Burgundertrüffel aus Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien und Ungarn auf Cäsium untersucht. Bei allen Trüffelfruchtkörpern wurden sehr niedrige Konzentrationen festgestellt, die sogar unter der Nachweisgrenze von 2 Becquerel pro Kg lagen. Der Grenzwerten für Lebensmittel liegt bei 600 Becquerel pro Kg, daher können die Trüffel aus den untersuchten Regionen bedenkenlos gegessen werden.

Besonders relevant sind die Ergebnisse vor dem Hintergrund, dass große Teile unserer Umwelt immer noch stark mit radioaktivem Cäsium kontaminiert sind und Pilze eine der Hauptquellen von Cäsium für den Menschen darstellen. Dem aufkeimenden Trüffelanbau in Deutschland, Trüffelsuchern in ganz Europa, sowie Händlern und Konsumenten weltweit kann nun grünes Licht für die Burgundertrüffel gegeben werden.

Link zum Original-Artikel:
http://www.biogeosciences.net/13/1145/2016/bg-13-1145-2016.html

Link zur Pressemitteilung der WSL:
http://www.wsl.ch/medien/news/trueffel_radioaktiv/index_DE


Aus der Feldforschung

Bei einer Untersuchung verschiedener Wildstandorte der Burgundertrüffel in Deutschland haben wir mit unseren Trüffelhunden Zara und Diana im Dezember 2011 eine Riesentrüffel aufgespürt. Mit einem Gewicht von 533g handelt es sich um die bisher größte Trüffel Deutschlands. Dies war Anlass den Fruchtkörper genauer zu untersuchen.
Lesen Sie mehr:

pdfStobbe_Sproll_2012_Rekordtrueffel.pdf


Trüffelbäume, Symbiose und Mycorrhiza

Trüffel sind Pilze die ausschließlich in Symbiose mit Wirtsbäumen vorkommen. Im Bereich des Wurzelsystems bestimmter Baumarten, genauer an den Feinwurzeln, gehen Pilz und Baum eine Verbindung ein - die Mycorrhiza. Dabei verwachsen die feinen Pilzhyphen mit der Wurzelrinde, und ermöglichen so einen Stoffaustausch zum beidseitigen Vorteil. Der Pilz erhöht durch seine große Oberfläche die Wasser- und Nährstoffaufnahme des Baumes aus dem Boden. In entgegengesetzter Richtung gibt der Baum dem Pilz Kohlenhydrate aus der Photosynthese die er für sein Wachstum und die Bildung der Trüffel benötigt.

Trueffel Mycorrhiza


Impfung der Trüffelbäume

Die Technik, die Symbiose zwischen Baum und Pilz künstlich und kontrolliert herzustellen, nennt man „Beimpfung“ der Trüffelbäume. Sie ist die Grundlage des Trüffelanbaus und wurde bereits in den 1970er Jahren von Gerard Chevalier und seinem Team in Frankreich entwickelt. Es gibt zwei Arten der Beimpfung:

TrueffelsporenDie Beimpfung mit Sporen. Sporen sind die „Samen“ der Pilze, also ihre natürlichen Verbreitungsorgane. Ähnlich wie bei Pflanzensamen entstehen die Sporen durch vorherige Befruchtung (Biene und Blume…). Das bedeutet, dass die genetische Vielfalt erhalten bleibt und sich aus jeder Spore ein neues Individuum entwickeln kann. So haben sich durch die Evolution innerhalb der Art Tuber aestivum (Burgundertrüffel) Stämme entwickelt, die perfekt an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst sind. Beispielsweise hat sich ein Stamm aus Deutschland an Klimaverhältnisse gewöhnt, die es für einen Stamm aus der Mittelmeerregion nie geben kann. Die richtigen Klimaverhältnisse sind für die einzelnen Stämme natürlich sehr wichtig um sich optimal entwickeln zu können und zur Fruchtung zu kommen.

Auch bei Trüffel gibt es „Männchen“ und „Weibchen“, sie werden allerdings + und – Typen genannt. Inzwischen weiß man, dass sich für die Bildung der Trüffel im Boden vorher + und – „paaren“ müssen. Durch die Beimpfung der Trüffelbäume mit Sporen (aus denen sich zu gleichen Teilen + und – Typen entwickeln) wird sichergestellt, dass an auf der Trüffelpflanzung beide Typen vorhanden sind und später die „Paarung“ stattfinden kann. Wie oben bereits beschrieben ist die Herkunft der Sporen ein wichtiger Faktor für den erfolgreichen Trüffelanbau. Denn Trüffelbäume für ein bestimmtes Klima sollten am besten mit Trüffel aus diesem Klima beimpft sein, um eine optimale Anpassung zu garantieren. Daher beimpfen wir unsere Trüffelbäume ausschließlich mit Trüffel aus heimischen Klimazonen, die für die späteren Anforderungen in den jeweiligen Regionen Deutschlands geeignet sind.

Die andere Methode ist die Beimpfung der Bäume mit Trüffelmycel (Stücke von Trüffelpilzfasern). Das Mycel wird direkt aus Trüffeln oder Mycorrhiza gewonnen und auf künstlichem Nährmedium vermehrt. Mit diesem vermehrten Mycel werden dann später die Wirtsbäume beimpft. Da vorher keine Befruchtung wie bei den Sporen stattgefunden hat, ist das Mycel nur ein „Ableger“ des benutzten Pilzmaterials. Hat dieses gewisse positive oder negative Eigenschaften wie Anpassungen an Klima und Wirtsbaumart oder Krankheiten, werden diese an alle beimpften Trüffelbäume weitergegeben. Außerdem haben alle Ableger den gleichen Typ (+ oder -) und können später auf der Trüffelplantage die „Paarung“ erschweren - und damit das Trüffelwachstum verhindern. Unter Wissenschaftlern ist man sich inzwischen einig, dass die Beimpfung mit Sporen deutlich sicherer ist und die Risiken der genetischen Verarmung, nicht ausreichender Anpassung und ungenügendem Trüffelwachstum deutlich verringert. Wir beimpfen daher ausschließlich mit Sporen.

Weiterführende Fachliteratur:

Hall et al. (2010). Sex, croziers, truffles and variation. Proceedings of the First Conference on the “European” Truffle Tuber aestivum/uncinatum. Österreichische Zeitschrift für Pilzkunde 19:191-199.

Paolocci et al. (2006). Reevaluation of the life cycle of Tuber magnatum. Applied and Environmental Microbiology, 72, 2390-2393.

Rubini et al. (2007). Troubles with truffles: Unveiling more of their biology. New Phytologist, 174, 256-259.

Rubini et al. (2011b). Tuber melanosporum: mating type distribution in a natural plantation and dynamics of strains of different mating types on the roots of nursery-inoculated host plants. New Phytologist 189(3):723–735.


Teilnahme an internationalen Kongressen

Nachdem wir in den letzten Jahren vor allem an den Kongressen der TAUESG-Forschungsgruppe (Tuber aestivum/uncinatum European Science Group) in Finnland, Frankreich und Ungarn teilgenommen haben, hatten wir dieses Frühjahr die Gelegenheit unsere Kollegen in Spanien wiederzutreffen. Hier ein Bericht von diesem außerordentlich interessanten Kongress:

Trueffel Kongress ZentrumVom 5.-8.3.2013 fand im spanischen Städtchen Teruel, nördlich von Valencia, der erste internationale Kongress für Trüffelanbau statt. Teruel ist das Zentrum des spanischen Trüffelanbaus, und Trüffelplantagen verschiedenen Alters prägen das Landschaftsbild der sonst eher kargen Hochebene. Nachdem wir die Region schon mehrfach besucht haben, und sich viele bekannte und neue Kollegen aus Wirtschaft und Forschung angekündigt haben, war klar, dass wir uns diesen Event nicht entgehen lassen können.

thumb Trüffel putzen TrüffelernteEs gab sehr viele und interessante Vorträge, die unser Wissen über Trüffelbaum Zucht und Trüffelanbau bereicherten. Neben den Vorträgen wurden auf Postern spezielle Themen vorgestellt, und während den Kaffee- und Mittagspausen ausgiebig diskutiert. Die Mitglieder der TAUESG-Forschungsgruppe, mit denen wir in den vergangenen Jahren schon einige produktive Kongresse erlebt haben waren fast vollzählig anwesend, und so gab es eine Menge zu berichten.

 


Als Mitglieder der TAUESG-Forschungsgruppe waren wir durch Simon Egli (WSL) und Ulrich Stobbe vertreten. Simon präsentierte einen unserer Forschungsschwerpunkte bei einem gelungenen Vortrag: Das sogenannte „Trüffelmonitoring“ betreiben wir nun schon seit fast drei Jahren an neun Trüffelplätzen in der Schweiz und Deutschland. Alle drei Wochen wird dort das Trüffelwachstum festgehalten und kontinuierlich Wetter-, Vegetations- und Bodendaten aufgezeichnet. So lernen wir viel über die Ansprüche der Burgundertrüffel. In anderen Beiträgen wurde von erfolgreichen Trüffelernten in Schweden und Österreich berichtet und die Funde erster Trüffel auf finnischen Trüffelplantagen diskutiert. Zwischen den Baumschulbetreibern konnte natürlich auch so manches Geheimnis ausgetauscht werden. Schön war zu sehen, dass alle Ihre eigenen Methoden entwickelt haben, die Herausforderungen aber trotzdem überall die gleichen sind.

 

thumb Trüffelbaum HerstellungUm nicht die ganze Zeit im Kongresszentrum zu verbringen, wurden Exkursionen zu Trüffelplantagen und Trüffelbaumschulen organisiert. Es ist immer wieder eindrucksvoll zu sehen, wie viele Trüffelbäume in den letzten Jahrzehnten in der Gegend gepflanzt wurden, und wie die ganze Region von dieser Entwicklung profitiert. Selbst die Grundstückspreise seien gestiegen, antwortete man uns auf unsere vorsichtigen Anfragen zur Verfügbarkeit von Trüffelzucht-tauglichem Land. Die Besichtigung des größten spanischen Trüffelbaum-Herstellers war für uns natürlich ein Highlight und gab uns wichtige Impulse unsere eigene Produktion weiter zu optimieren.

 

thumb Trüffelplantage SpanienAls krönender Abschluss bekamen wir in einer kleinen Gruppe die Möglichkeit auf einer privaten Tour unsere eigenen Trüffel zu ernten, die wir natürlich mit nach Hause bringen wollten. Es ist faszinierend, wie schnell und auf welch kleinem Raum einer riesigen Trüffelplantage eine respektable Trüffelernte gefunden werden kann. So konnten wir mit frischem Trüffel in den Taschen den Rückflug antreten, und zuhause bei einem leckeren Trüffelmenü unsere Erfahrungen und Eindrücke diskutieren.